head27.jpghead28.jpghead14.jpghead12.jpghead21.jpghead37.jpghead06.jpghead02.jpghead34.jpghead18.jpghead20.jpghead10.jpghead30.jpghead15.jpghead29.jpghead07.jpghead11.jpghead24.jpghead35.jpghead08.jpghead13.jpghead31.jpghead05.jpghead26.jpghead33.jpghead19.jpghead25.jpghead17.jpghead04.jpghead38.jpghead22.jpghead32.jpghead01.jpghead23.jpghead03.jpghead36.jpg
 
hasselhoff header

 

Es ist ein lauschiger Donnerstag im Oktober. Froschmann Rehlein geht beschwingt mit dem Dreckbehälter seines Staubsaugers über den Hof seines bescheidenen Anwesens, als ein schriller Alarmton die herbstliche Atmospäre in ein akustisches Desaster verwandelt. Das orangene Notfalltelefon in seiner legeren Jogginghose macht nachdringlich auf sich aufmerksam. Kein gutes Zeichen. Denn das orangene Telefon bedeutet immer akute Lebensgefahr. Froschmann Mutter wurde alarmiert, weil eine aufgelöste Hundetrainerin über den Notruf 112 bei der Einsatzleitstelle der ortlichen Feuerwehr anrief und einen Hund meldete, der seiner Besitzerin entlaufen, bzw. entschwommen war und sich nun nicht erreich- und ansprechbar in der Mitte der Elbfahrrinne befand.

Die Feuerwehr vor Ort war nicht einsatzbereit, so dass eine Nachbarwehr hätte alarmiert werden müssen. Dies hätte eine Verzögerung von etlichen Minuten bedeutet, so dass der Disponent in der Leitstelle sich gezwungen sah, alle Register zu ziehen und das Oberhaupt der Froschmänner um Hilfe zu bitten. Denn es ist aus unerfindlichen Gründen zu den Sicherheitsbehörden durchgedrungen, dass Froschmann Rehlein ganz in der Nähe seinen geheimen Wohnsitz habe. Doch aufgrund der Dringlichkeit der Lage war das Aufspüren dieses Sicherheitslecks zunächst zweitrangig.

Mutter schilderte Rehlein die Lage in der bekannten professionellen Knappheit. Zuvor hatte die Hundetrainerin ihre Kundin selbstständig angewiesen, den Hund wie bei einem klassischen MOB-Manöver (MOB = man over board) im Auge zu behalten. Sie sollte Rehleins Augen am Geschehen sein, denn aus der Perspektive eines kleinen Bootes ist der Kopf eines erschöpften schwimmenden Hundes kaum auszumachen. Ein äußerst professionelles Vorgehen dieser Trainerin für Menschen mit Hund.

Rehlein eilte in seine geheime Bootshalle, die einen unterirdischen Zugang direkt zur Elbe, zur Ost- und dem Bodensee hat. Schnell den Stecker der EPbVwe (Elektrische Paddelblatt Vorwärmeinrichtung) gezogen, dann gleitet das Boot einsatzbereit unter den kräftigen Paddelschlägen seines Piloten in Richtung Elbe. Nur 90 Sekunden nach der Alarmierung nimmt Rehlein Kurs auf das verwirrte Tier.

Mittlerweile war der Hund bereits geschätzte 700m abgetrieben. Es war nicht mehr weit bis zur Staustufe Geesthacht. Das Erreichen dieses Hindernisses hätte die Rettungsaktion erheblich verkompliziert. Der Wind mit ca. 6 Bft. von vorne und der Druck der Elbströmung von hinten machten die Fahrt aufgrund der unberechenbaren Wellen nicht gerade zu einem Vergnügen. Der Wind und die Paddelschläge machten es darüber hinaus unmöglich, richtungsweisende Kommandos vom Land zu hören. Beklagenswerter Weise hatte Rehlein versäumt, seine Kommunikationselektronik (Zivilisten nennen so etwas "Smartphone") mitzuführen. Eine Leichtsinnigkeit, für die er sich später vor Mutter noch wird rechtfertigen müssen. Aber für Angst vor einer mütterlichen Standpauke bei der Einsatznachbesprechung war in diesem Moment nun wirklich keine Zeit.

Endlich schnappt er vom südlichen Elbufer Wortfetzen auf, die "genau gegenüber" bedeuten könnten und siehe da, die blondierte Nase eines Labrador Retrievers ist kurz zwischen den schaumigen Wellenkämmen zu sehen. Rehlein reißt das Ruder seines Einsatzkajaks "Leviathan" hart nach Steuerbord und überquert in einer kaum zu beschreibenden Geschwindigkeit das kabbelige Fahrwasser, Wind und Wellen nun genau von Backbord. In diesem Moment kann sich Rehlein nicht entscheiden, ob seine Arme oder seine Bronchien mehr brennen. Und das Pfeifen, ist das überhaupt der Wind?

Schnell hat er entkräftet den nicht minder entkräfteten Hund erreicht, der aber, immer noch völlig weggetreten, das Boot erblickt, sofort umdreht und wieder in Richtung Fahrwassermitte schwimmen will. Wer schon einmal einen Hund im Jagdrausch gesehen hat, der wird den Blick in seinen Augen nicht wieder vergessen. Der Retriever war nicht ansprechbar und völlig in seiner Blase aus Glückshormonen eingeschlossen. Ein Tier in diesem Zustand schwimmt, bis es kraftlos einfach untergeht.

Nun macht sich die Vorwärmung der Paddelblätter bezahlt, ein Prototyp von Rheinmetall, der dem UCT erst kürzlich zu Testzwecken zur Verfügung gestellt wurde. Ein kaltes Paddelblatt hätte den ernormen Kräften von Rehleins Paddelschlägen nicht standhalten können. So gelang es dem Froschmann, dem Hund nach wenigen Sekunden den Weg abzuschneiden. Plötzlich veränderte sich der Gesichtsausdruck des Tieres. Der unnachgiebige Blick des entschlossenen Paddlers muss ihn  aus dem Strudel der Endorphine gerissen haben. Er schien sich zu besinnen und die Entscheidung zu treffen, dass heute kein guter Tag zum ertrinken sei, schwamm auf das Boot zu und wurde von Rehlein zwischen zwei Wellen in das Cockpit des wackeligen Bootes gezogen. Dankbare Hundeaugen brachten das Herz des sonst emotionslos wirkenden Froschmannes zum schmelzen. Wieder eine arme Seele vor den glitschigen Fingern des nassen Todes bewahrt. Nur noch ein paar Meter, dass haben es beide aus der Fahrrinne geschafft. Nun ist hinten wenigstens alles in Ordnung.

Am niedersächsischen Ufer zurück konnte das unterkühlte und mit den Zähnen klappernde Tier seiner Besitzerin zurückgegeben werden. Ein schöner Augenblick für alle Beteiligten. Die durchaus attraktive Hundetrainerin, die so umsichtig handelte und sofort die richtigen Maßnahmen einleitete, wurde von Rehlein unter dem Vorwand einer psychologischen Nachbetreuung in sein HQ gebeten.

Und wenn sie nicht gestorben sind ...

 

Nachtrag: interessierte Mitleserinnen und Mitleser mögen verzeihen, dass es von dieser Operation aufgrund der gebotenen Eile keine bildliche Dokumentation geben kann. Das Hauptquartier von Froschmann Mutter übernimmt aber jede Verantwortung dafür, dass jedes Wort dieses Berichtes wahr ist und sich diese Rettungsmission genau so abgespielt hat ...

Joomla templates by a4joomla